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Finanzbildung: Rote Laterne für Deutschland

Dass es mit der Finanzbildung in Deutschland nicht zum Besten steht ist kein großes Geheimnis. Selbst bei Young Professionals, also jungen berufstätigen Menschen, die nebenberuflich studieren, wurde festgestellt, dass sie sich in Ihrem Wissen in Finanzangelegenheiten überschätzen. Doch eine heute veröffentlichte Studie, die im Auftrag der ING DiBa durchgeführt wurde, zeigt, dass Deutschland unter allen untersuchten Staaten sogar das traurige Schlusslicht bildet.

Über 50 Prozent „Finanz-Analphabeten“

Die Zahlen der ING DiBa-Studie zeichnen ein erschreckendes Bild:  53 Prozent der befragten Deutschen gaben danach zu, von Finanzangelegenheiten keine Ahnung zu haben. Damit liegen diese nun veröffentlichten Zahlen noch hinter denen, die bereits 2009 von der Comdirect Bank publiziert wurden. Damals waren 41 Prozent der Befragten der Meinung sich schlecht in finanziellen Dingen auszukennen, weitere sieben Prozent antworteten mit „weiß nicht“.

school-85619_640Schuld an diesen Ergebnisse scheint die allgemeine Schulbildung zu sein. 78 Prozent der Befragten hätten sich angabegemäß Finanzbildung in der Schule gewünscht, bekommen haben sie aber nur 18 Prozent. Während die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der ING DiBa nicht nach Alter und Geschlecht differenzieren, zeigten die Ergebnisse der Comdirect, dass Frauen ihr Finanzwissen tendeziell etwas schlechter einschätzen als Männer. Zudem hatten insbesondere junge Menschen (18 – 35jährige) das geringste Finanzwissen. Die Folgen von geringen Kenntnissen wurden hier im Blog schon des öfteren aufgegriffen. Ein ganz wesentlicher Punkt aus Sicht des Marketing ist beispielsweise, dass Bankkunden dadurch häufig noch nicht einmal nach der Beratung wissen, ob sie zufrieden mit ihrer Entscheidung und der Beratung sind.

Vielleicht ist Ihnen beim Lesen aufgefallen, dass es sich bei beiden hier zitierten Banken um Direktbanken handelt. Das ist kein Zufall. Gerade Direktbanken haben natürlich ein großes Interesse an einer möglichst hohen finanzieller Bildung. Je selbstbestimmter die Kunden ihre finanziellen Angelegenheiten regeln können, desto weniger Beratung benötigen sie und damit natürlich auch kaum noch eine Bankfiliale.

Literaturempfehlungen zu Banking & Finance:

Quellen: Studien von ING DiBa & Comdirect

Bildquellen dieses Artikels pixabay.com (CC0-Lizenz: Public Domain)

2 Gedanken zu „Finanzbildung: Rote Laterne für Deutschland“

  1. Ein guter Artikel aus der NYT: http://mobile.nytimes.com/2013/10/06/business/financial-literacy-beyond-the-classroom.html?

    Eine Erkenntnis: Just in time financial education works. – Wir lernen, wenn wir etwas lernen wollen und es brauchen. Allein, die Angebote dazu fehlen noch bei den klassischen Banken. Doch ich denke: Die frei werdenden VoBa und Sparka Berater, werden in den nächsten Jahren solche Aufgaben übernehmen. Was meinen Sie?

  2. wenn man die Studien in den Bereichen Steuer, Gesundheit und Recht machen würde, wären mit Sicherheit Parallelen.
    Hinzu kommt, das es sich um keine angeschlossene Langzeitstudie handelt, der zu entnehmen ist, wie weit das Wissen usw. umgesetzt wurde und wie sich die Lebenssituationen geändert, mit verbundenen Anpassungen ergeben haben.
    Dh. ein Stichtag/Zwischenabrechnung fehlt, denn wie man weiß ist Theorie und Praxis was anderes.

    Dass es sich um Direktbanken handelt, ist nicht unbedingt störend, denn schlussendlich muss man die Auswertung/Gewichtung selbst vornehmen.
    Ich traue nur meiner eigenen Statistik/Interpretation/Auswertung 😉

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