Erste virtuelle Bankfiliale auf Facebook

Im September 2010 war es soweit. Die neuseeländische ASB Bank hat die erste Bankfiliale der Welt auf Facebook eröffnet. Sie geht damit weiter als andere Kreditinstitute, die lediglich Fan-Seiten auf Facebook unterhalten.

Social Banking 2.0

Bank 2.0Produkte werden derzeit (noch) nicht über die virtuelle Filiale vertrieben, sondern Informationen. Auf der Facebook-Seite der ASB Bank gibt es nämlich einen abgetrennten Chatroom, über den Facebook-User sieben Tage in der Woche zwischen acht Uhr morgens und neun Uhr abends (neuseeländischer Zeit) mit Bankmitarbeitern in Kontakt treten können.

Wie in der Realität steht diese virtuelle Filiale sowohl Kunden als auch Nicht-Kunden offen. Die Mitarbeiter, die für ein virtuelles Gespräch zur Verfügung stehen, sind entsprechend gekennzeichnet. Ein Klick auf einen freien Mitarbeiter öffnet den Chat. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nach Angaben der ASB Bank hat niemand außer der Bank und dem Kunden Zugriff auf die Daten des Gesprächs. Das Gespräch wird auch nicht von Facebook selbst gespeichert.

Was ist neu?

ASB Bank auf facebookMan könnte einwenden, dass Chats nicht gerade zu den allerneuesten Internet-Innovationen gehören. Immerhin waren Chats schon sehr lange ein integraler Bestandteil des alten Web 1.0. Das neue an der virtuellen Filiale ist auch nicht der Chat an sich.

Neu ist vielmehr, dass die Bank damit aktiv ihren Kunden entgegen geht, dorthin, wo sich Kunden und potentielle Kunden im Internet aufhalten. Sie wartet also nicht passiv auf ihrer eigenen Website auf Besucher, sondern macht Menschen direkt „vor Ort“ bei Facebook ein Gesprächsangebot.

Auch wenn Facebook, Xing und Co. bisher noch nicht die Sicherheitsstandards für die Einführung echter Online-Bankdienste, wie beispielsweise Kontostandsabfragen oder Überweisungen erfüllen, zeigt der Vorstoß der ASB Bank, dass soziale Netzwerke durchaus schon heute für die Kommunikation mit Kunden und Interessenten genutzt werden können.

Viele Banken planen  bereits verstärkte Investitionen in Social Media. Es bleibt also abzuwarten, ob und wann auch deutsche Kreditinstitute diesem Beispiel folgen werden. Eventuell könnten hier sozial-ökologische Kreditinstitute wie beispielsweise die GLS Bank wieder eine Vorreiterrolle übernehmen.

Update 20.05.2011:

Möchte Sie wissen, welche Wirkung die virtuelle ASB-Filiale bei Facebook in Bezug auf Fans und Kontaktmöglichkeiten im ersten halben Jahr ihres Bestehens hatte? Dann lesen Sie hier im Blog weiter: Halbjahresbilanz der ASB-Filiale auf Facebook

Quelle: Visible Banking

Bilder/Grafik: eigene Erstellung/Screenshot

2 Gedanken zu „Erste virtuelle Bankfiliale auf Facebook“

  1. Hallo Herr Schubert,

    spannendes Weblog und spannender Beitrag, man wird sehen, ob die „Facebook-Filiale“ ein produktiver Ansatz sein kann, oder eher nur ein rein vom Marketing getriebenes „Social Media Auffangbecken“, das eher nur kurzfristig Interesse weckt.
    Bei den deutschen Banken vermisse ich etwas mehr Neugier, man klebt doch sehr an etablierten Hierarchien fest (wir sind ja wegen Datenschutz und Compliance zur Festungsmentalität verpflichtet“.

    Freue mich auf den weiteren Austausch.
    Beste Grüße aus der Nachbarschaft in Berlin
    Lothar Lochmaier

  2. Hallo Herr Lochmaier,

    vielen Dank für Ihren geschätzten Kommentar. Auch ich habe in meinem neueren Artikel über Bankfilialen im 21. Jahrhundert (http://www.matthias-schubert.com/marketing/bankfilialen-verlieren-bedeutung) bereits meine Zweifel geäußert, ob eine solche virtuelle „Bankfiliale“ den Kundenbedürfnissen gerecht wird. Sie kann wohl höchstens einen zusätzlichen Kontaktpunkt darstellen, ist aber sicher nicht die allein seelig machende Lösung für die Probleme im Bankensektor.

    Auch ich freue mich auf einen weiteren Austausch mit Ihnen. Ihr Buch liegt übrigens (ganz real) bei mir zu Hause und wartet darauf, endlich gelesen zu werden. Leider bin ich bislang zeitlich noch nicht dazu gekommen, obwohl ich auf Ihre Ausführungen schon sehr gespannt bin (genau wie ich Ihr geschätztes Blog und Ihre Tweets regelmäßig verfolge).

    Viele Grüße

    Matthias Schubert

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