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Banking 2.0 – Was würde Google tun?

Am vergangenen Dienstag fand in Hamburg die zweite Konferenz Finanzdienstleister der nächsten Generation des Frankfurt School Verlages statt. Nach den Begrüßungsworten von Prof. Dr. Christian Schulze, Assistant Professor of Marketing der Frankfurt School, machte wie bereits auf der ersten Konferenz im März auch dieses Mal Jens Quadbeck, Industry Leader Finance bei Google, den Auftakt. Diesmal mit der Frage: Banking 2.0 – Was würde Google tun?

Nicht die Banken sind im Umbruch, sondern die Kunden

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Quadbeck bei seinem Vortrag in Hamburg

Quadbeck startete seinen Vortrag mit einigen  Daten, die zunächst durchaus nachvollziehbar waren, im weiteren Verlauf aber dann doch deutlich aufhorchen ließen. So ist es sicherlich für jeden Banker leicht nachvollziehbar, dass angesichts des aktuellen Zinsniveaus die Suchanfragen der Kunden bezüglich Tagesgeld-Konten inzwischen vergleichsweise gering sind, während die Google-Suche nach Baukrediten derzeit geradezu durch die Decke geht.

Deutlich spannender allerdings ist, dass der Vertriebsprozess für Bankprodukte heute insgesamt bereits zu über 70 Prozent im Internet beginnt. Diese Zahl deutet immerhin auf eine starke Zunahme des ROPO-Effekts hin. Quadbeck bezog sich bei dieser Aussage auf Zahlen des GfK-Finanzmarktpanels, konnte sie aber auch mit eigenen Zahlen untermauern: So startet ein potenzieller Kunde laut Google aktuell durchschnittlich 14 Suchanfragen, bevor es zum Abschluss eines Bankproduktes kommt.

Online, offline, no-line – wenn der Couch Potato abends shoppen geht

Besonders interessant dabei ist, dass bereits heute etwa 20 Prozent dieser Suchanfragen von mobilen Endgeräten stammen. Hinzu kommen noch ca. fünf Prozent Google-Anfragen, die von Tablets gestartet werden – Tendenz stark steigend. Statt online und offline wird die parallele Nutzung der verschiedenen Devices bzw. „second screens“ (bspw. vor dem Fernseher) übrigens bei Google mittlerweile als „No-Line“ bezeichnet.

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Holger Spielberg, PayPal SE

In einem späteren Vortrag von Holger Spielberg, Head of Mobile Payments and Innovation bei PayPal, war zudem zu erfahren, dass PayPal insbesondere in den frühen Abendstunden zwischen 19 und 21 Uhr eine starke Zunahme der Zahlungsaktivitäten von mobilen Devices (inkl. Tablets) im E-Commerce verzeichnet. PayPal spricht daher inzwischen auch vom „Couch Commerce“.

Die technische Entwicklung geht laut Quadbeck übrigens dabei derzeit eindeutig in die Richtung, das mobile Gerät künftig aus der Hand des Users zu bekommen. Die gerade zum Verkauf gestartete Google Glass scheint dabei allerdings nur eine von vielen Optionen zu sein, da beispielsweise auch die Entwicklung von Smart-Watches sowohl von Google, als auch von anderen Anbietern, weiter stark vorangetrieben wird. Ziel ist es in jedem Fall, künftig beide Hände des Nutzers frei zu bekommen und die Steuerung durch Sprache und Kommunikation vorzunehmen.

Das Ende der Bankfiliale?

Nein, davon ist Quadbeck überzeugt – zumindest nicht auf absehbare Sicht. Die Online-Abschlüsse beziehen sich zu allergrößten Teilen noch immer nur auf einfache Bankprodukte wie Girokonten, Tagesgeldkonten und Ratenkredite. Das komplexe Geschäft wird hingegen (zunächst) weiter in der Filiale verbleiben. „Das werden wir [Anm. des Autors: gemeint war wohl das Durchschnittsalter der Anwesenden] in dem Maße so nicht erleben“, sagte Quadbeck. Allerdings gilt es, den Abschluss auch bei den komplexeren Produkten künftig noch viel stärker online vorzubereiten.

Exponentielle Mobile-Entwicklung

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Unzufrieden mit der mobilen Website? „Kunde“ Dagobert vor einer Sparkasse

Alleine die Suchanfragen zum Begriff  „Sparkasse“ erfolgten bei Google bereits Ende 2012 zu knapp 40 Prozent von mobilen Endgeräten. Zwei Jahre vorher waren es noch etwa 35 Prozent weniger. Will heißen: die Entwicklung von Mobile steigert sich nicht linear, sondern exponenziell! Beim Suchbegriff „Volksbank“ sah es ähnlich aus: Anfang 2011 kamen sie noch gerade einmal zu 5 – 10 Prozent von mobilen Clients, Ende 2012 waren es aber schon knapp 35 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber lediglich 23 Prozent der Kreditinstitute eine mobile-optimierte Website.

Was würde Google tun?

Kurz und knapp: Google wäre schneller. Wie die Zahlen zeigen, fällt die IT-Projektplanung vieler Banken stark hinter den veränderten Kundenbedürfnissen zurück. Gerade hier ist aber Schnelligkeit dringend gefragt. Bei Google gilt daher die Devise „The user comes first“, was, auch für Banken übersetzt, absoluter Kundenfokus bedeutet. Bei Google dauert ein Standardprojekt gerade einmal ein Quartal. Selbst das größe von Google jemals gestemmte IT-Projekt, Google Plus, wurde innerhalb von drei Quartalen realisiert. Auch Banken müssen sich also viel schneller an die veränderten Kundenbedürfnisse anpassen und flexibler werden.

Kommt die Google-Bank?

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Jens Quadbeck, Google Germany GmbH

Die zahlreich im Hamburger Studienzentrum der Frankfurt School of Finance & Management versammelten Banker hatten natürlich viele Fragen an Google. Zwei davon möchte ich hier herausgreifen. Eine Frage bezog sich auf das Thema „digital trust“, also die Frage, wie im Internet Vertrauen hergestellt werden kann. Quadbeck verwies hier auf erfolgreiche Internetfirmen, bei denen man sich die Grundprinzipien des Vertrauensaufbaus im Internet abschauen könne, also beispielswiese Ehrlichkeit, Transparenz,….

Weiter wurde gefragt, ob Google plant, künftig selbst in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen einzusteigen. Diese Frage scheint vielen Vertretern aus dem Bankensektor wohl sehr unter den Nägeln zu brennen, denn sie wurde auch schon auf der ersten Konferenz im März gestellt. Und genau wie damals antwortete Quadbeck auch hier in Hamburg damit, dass man sich das Geschäftsmodell von Google anschauen und die Frage stellen solle, ob diese Option dazu passt. Seine Frage, warum Google denn in Konkurrenz zu so wichtigen (Google-)Kunden wie Banken treten solle, konnte allerdings wohl auch hier nicht jeden der anwesenden Banker vollkommen überzeugen…

Das Buch zu Konferenz, sowie weitere Literatur zum Thema:

Bildquellen dieses Artikels: © Matthias Schubert (eigene Fotos des Blogbetreibers)

5 Gedanken zu „Banking 2.0 – Was würde Google tun?“

  1. Die o.g. „Bewertung“ suggeriert, dass der Kunde nicht gewillt ist, sein Bankgeschäft komplett Online bzw. per Telefon abzuwickeln.
    Hier sollte man sich aber auch die Internet-Auftritte der Banken anschauen, was denn überhaupt möglich ist. In der Regel werden nur allgemeine Informationen publiziert.
    Bei den Sparkassen prangert ansonsten überall „Beratungstermin vereinbaren“.

    Dh. neben Online-Banking (bzw. teilweise erweitert für Kreditkarten) und Online-Shop (Bücher/Zubehoer), sind keine vorbereitenden/abschließenden* Aktivitäten möglich bspw. Sparbuch für Mietkaution, Bankbürgschaft oä.
    *Authentifizierung könnte über nPA erfolgen

    „neue Alternativ-Anbieter“ würde es sonst nicht geben
    https://kautionsfrei.de/kautionsbuergschaft/kaution-zurueck-holen
    http://mietkaution.swkbank.de/
    http://www.smartkaution.de/kunden/a_stepOne.aspx
    https://www.norisbank.de/produkte/mietkaution.html
    http://www.kautionskasse.de/whitelabels/aktion-start

    1. Sehr geehrter Herr Hauck,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Hinweise auf weitere interessante Quellen. Die nächste Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ findet übrigens am 12.11.2014 in Hamburg statt (Frankfurt School Campus Hamburg). Ich werde dort auch wieder selbst anwesend sein. Vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen. Ich würde mich darüber sehr freuen.
      Beste Grüße aus Berlin,
      Matthias Schubert

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