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Muss sich Ethik lohnen?

Unter dem Motto „Doing well by doing good – Rationalität und Moralität in Unternehmen“ hatte die Frankfurt School of Finance & Management gestern zu einer Alumni & Friends-Veranstaltung in das Haus der Commerzbank am Brandenburger Tor in Berlin geladen. Nach den Begrüßungen durch Herrn Uwe Dobritzsch  (Mitglied der Geschäftsleitung der Commerzbank in Berlin), der kurz auch auf die Geschichte und die Funktionen des Hauses am Pariser Platz 1 einging und Frau Sandra Rieger, Alumni-Officer der Frankfurt School, begann Prof. Dr. Hartmut Kliemt seinen Vortrag.

Professor Dr. Hartmut Kliemt Frankfurt School
Professor Dr. Hartmut Kliemt

Prof. Dr. Kliemt ist der Vizepräsident für Forschung sowie Professor für Philosophie und Ökonomik an der Frankfurt School of Finance & Management in Frankfurt am Main. Er begann seinen Vortrag mit der leicht provokanten Frage an das Publikum, ob wir mehr Ethik brauchen und beantwortete sie gleich selbst mit der Feststellung, dass diese Frage zunächst grundsätzlich wohl fast jeder mit „Ja“ beantworten würde.

Allerdings wies er ebenfalls darauf hin, dass jeder auch seine ganz eigenen Ethik- und Moralvorstellungen hat und deshalb jeder eben auch nur von seiner „eigenen Ethik“ mehr will. Alle verstehen also etwas anderes unter dem Begriff Ethik. Die weitere interessante Frage, die sich daran anschloss war, wozu Ethik eigentlich gut sein kann.

Wozu ist Ethik gut?

Professor Kliemt zeichnete hier das Bild des „ehrwürdigen Kaufmanns“. Der ehrwürdige Kaufmann verzichtet auf kurzfristige Vorteile durch opportunistisches Verhalten. Doch was ist sein Lohn dafür, dass er zu seinem Wort steht? Die Antwort ist, dass dadurch Vertrauenswürdigkeit geschaffen wird. Doch muss man dazu wirklich ehrbar sein oder reicht es vielleicht auch, nur ehrbar zu scheinen? Dass es durchaus auch Anreize geben kann, nur ehrbar zu scheinen, zeigte Kliemt am Beispiel des Heiratsschwindlers. Er scheint so lange ehrbar zu sein, bis sich die Gelegenheit bietet, dies auszunutzen und zu verschwinden.

Anhand von wissenschaftlichen Laborexperimenten zeigte Kliemt anschließend, ob es für den einzelnen lohnt, in Austauschprozessen einen Tausch vorzunehmen oder nicht (siehe Foto).

Kliemt_Modell
Professor Kliemt erläutert das „Urvertrauens-Experiment“

Doing good or being good?

Auf Unternehmen bezogen, stellte Prof. Dr. Kliemt die Frage auf, ob „doing well by doing good“ oder “doing well by being good” besser ist, also die Frage, ob man als Unternehmen nur scheinbar „gut“ sein muss oder ob das Unternehmen wirklich „gut“ sein sollte.
„Being good“ lautet seine Antwort auf diese Frage. Er begründet sie damit, dass ein Unternehmen, das immer nur vorspielt gut zu sein, auch ständig aufpassen muss, dass es nicht auffliegt. Eine dem Heiratsschwindler also recht ähnliche Situation. Ist das Unternehmen hingegen wirklich „gut“, braucht es keine Aufdeckung zu fürchten, weil es nichts aufzudecken gibt, und kann so langfristige und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und pflegen.

In der anschließenden Diskussion in der sehr gut besuchten Veranstaltung der Frankfurt School ging es um Fragen, was in Austauschprozessen passiert, wenn man seine eigene Moral höher einschätzt, als die anderer und wie es beispielsweise in der Kundenberatung in einer Bank mit ethischen Fragen aussieht. Hier ging es vor allem um die „gespaltene Loyalität“ des Bankangestellten, also mögliche Konflikte zwischen der Loyalität zum Arbeitgeber und der Loyalität zum Kunden.

Eine spannende und anregende Veranstaltung, die der Frage nachging: Müssen sich Moral und Ethik lohnen? Was meinen Sie?

Bildquelle dieses Artikels: © Matthias Schubert (eigene Fotos des Blogbetreibers)

Ein Gedanke zu „Muss sich Ethik lohnen?“

  1. Ja! Und wissen Sie warum?
    Ethik ist eine Disziplin der Philosophie, die moralische Prinzipien wie Werte, Tugenden, Geltungsansprüche, und Forderungen begründet.

    Was wären wir ohne unsere Wertvorstellung ? Was wären wir ohne unsere Menschlichkeit? Mag sein, das in einer Welt der Finanzen das Streben nach mehr Kapital und Expansion beinhaltet, aber das wird es nicht alles sein. Das Leben ist komplexer und wahrhaftig und nehme man dann unsere Menschlichkeit, wären wir auch nur Tiere, oder?!
    Ich bin eine Frau und auch kein Finanzexperte , aber ich folgte Ihren Artikel.
    Lieben Dank, lg Nina

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