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Ist der Trend zu Social Banking eine nachhaltige Entwicklung? Teil 4

Social Finance – ein Geschäftsmodell (auch) für konventionelle Banken?

Im vorherigen Teil dieser Serie zum Thema Social Banking wurde aufgezeigt, dass neben den so genannten intensiven LOHAS immer stärker auch breitere Teile der Bevölkerung ein wachsendes Interesse an nachhaltigen Bankgeschäften zeigen.Ein kürzlich erschienener Artikel im Hamburger Abendblatt zeigt die Dimensionen dieser neuen Nachfrage auf.

Danach verzeichnet beispielsweise die GLS Bank derzeit etwa ein Drittel mehr Kundenanfragen als gewohnt und konnte alleine im März 2.000 neue Kunden gewinnen. Natürlich ist diese Nachfrage im Moment sehr stark von der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima geprägt und es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig dieser Effekt sein wird.

Dennoch kann nach den bisherigen Ausführungen in dieser Artikelserie davon ausgegangen werden, dass Social Banking ein wachsendes Segment in der Bankenbranche darstellt. Darum wird in diesem Artikel der Frage nachgegangen, ob Social Banking auch ein Geschäftsmodell für konventionelle Banken sein kann.

Große Privatbanken

Frankfurt Skyline
© Thomas Reinacher / pixelio.de

Die deutschen Großbanken bieten zum Teil bereits eine umfangreiche Palette an nachhaltigen Produkten an. Beispielhaft sei hier nur die Deutsche Bank genannt, die unter der Domain banking-on-green dafür sogar eine eigene Internetpräsenz unterhält.

Allerdings ist das Spezialwissen über solche Produkte bei den Banken leider häufig in den Filialen vor Ort nicht oder nur unzureichend vorhanden. Insbesondere intensive LOHAS erwarten meist sehr detaillierte Informationen und eine besonders ausführliche Beratung von ihrem Kundenbetreuer. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass viele Anlageberater häufig kaum genaue Auskünfte über die von ihnen vertriebenen Nachhaltigkeits-Produkte geben können [1].

Hier könnte es in den kommenden Jahren vielleicht gewisse Verbesserungen geben, denn inzwischen gibt es ein Master-Studienprogramm für Social Banking und Social Finance am Institute for Social Banking und an der Alanus Hochschule bei Bonn wurde kürzlich das Fach Social Banking und Social Finance für BWL-Studenten eingeführt.

Für authentisches Social Banking ist es neben der Beratungskapazität aber genauso wichtig, nachhaltige Werte, wie der international anerkannte Marketing-Experte Philip Kotler empfiehlt, fest in der Unternehmenskultur zu verankern, statt sie lediglich in Leitbildern festzuschreiben, ohne sie im Tagesgeschäft dann auch zu leben. [2] Schließlich spiegelt sich nachhaltiges Wirtschaften nicht nur in Produkten wider, sondern vor allem auch im Verhalten und der Philosphie der Bank.

Was die hauseigenen ökologischen Anstrengungen -beispielsweise in Bezug auf die Reduzierung von Co2-Emissionen in Gebäuden und Fuhrparks- angeht, haben viele Banken ihre Hausaufgaben bereits gemacht. Beispielsweise führten Maßnahmen der Wärmerückgewinnung und Dämmung in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank zu Einsparungen von 67 Prozent der Heizenergie [3].

Etwas differenzierter sieht es da schon beim nachhaltiges Verhalten von Banken im Geschäftsbetrieb aus, wie die Ergebnisse von Studien der Rating-Agentur Oekom Research zeigen, die Geschäftsbanken hinsichtlich ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung untersucht hat. Danach zeigen sich zwar in vielen Bereichen positive Ansätze, allerdings bleiben die Banken auch noch häufig unter ihren Möglichkeiten. Dies wird besonders im Kreditgeschäft deutlich, wo Projektfinanzierungen meist nur anhand von Mindeststandards auf deren ökologische und und soziale Auswirkungen geprüft werden.[4]

So haben sich beispielsweise die Banken bis heute kaum den Equator Principles unterworfen, die soziale und ökologische Belastungen bei internationalen Großprojekten berücksichtigen. Während bereits viele internationale Bankkonzerne die Prinzipen dieser freiwilligen Selbstverpflichtung akzeptieren, sind aus deutscher Sicht mit der WestLB, der HypoVereinsbank (über UniCredit) und seit 01.03.2011 auch der DekaBank nur drei deutsche Institute vertreten, wovon zwei auch noch zum öffentlich-rechtlichen Bankensektor gehören.

Weiteren Nachholbedarf sieht Oekom bei den privaten Geschäftsbanken außerdem bei der Implementierung von verantwortungsvollen Verkaufsmethoden im Kundengeschäft (transparentere Produktgestaltung und geringere Provisionsorientierung) [4].

Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Das über 100 Jahre Jahre alte Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken und Sparkassen mit seiner klaren Ausrichtung an den Entwicklungen der realen Wirtschaft und seinem häufig ausgeprägten sozialen Engagement in der Region kommt dem Begriff  „Social Banking“ schon recht nahe.

Sparkassen Filiale
Sparkassen-Filiale

In diesem Sektor gibt es bereits Angebote für nachhaltige Produkte auf regionaler Ebene. So beschäftigt sich etwa bei der Sparkasse Steinfurt eine Projektgruppe bereits seit zwei Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Im Jahr 2010 erschien dann der KlimaGut-Brief, der Anlegern eine marktübliche Verzinsung bietet und dabei das angelegte Geld ausschließlich in ökologische Projekte in der Region investiert.

In einer ersten Tranche wurden 6,7 Mio. EUR von 600 Kunden aus allen Bevölkerungsschichten angelegt. Aufgrund der großen Nachfrage wurde Anfang 2011 eine Neuauflage herausgegeben, die nicht einmal mehr aktiv beworben werden musste. Einige Kunden hatten bereits darauf gewartet und auch Neukunden konnten mit dem Produkt gewonnen werden. Weitere „grüne“ Anlage- und Finanzierungsformen sind deshalb bereits geplant. [5]

Auch Oekom Research würdigt das Engagement von regionalen Instituten und hebt hervor, dass viele Institute beispielsweise Finanzierungsprogramme mit vergünstigten Konditionen für ökologische Maßnahmen von Privatpersonen bereit halten. Auch beim Umgang mit den eigenen Mitarbeitern werden den Instituten überwiegend gute Leistugen attestiert.

Nachholbedarf sieht Oekom aber auch bei diesen Institutsgruppen bei der Kreditvergabe insgesamt, bei der eigenen Kapitalanlage sowie bei der verantwortungsvollen Kundenberatung und der Produkttransparenz. Hier bleiben auch diese Institute noch hinter ihren Möglichkeiten. Beispielhaft in vielen dieser Bereiche ist den Angaben der Oekom-Studie zu Folge übrigens die britische Genossenschaftsbank The Co-operative Bank.[6]

Der größte Problem der kommunalen und genossenschaftlichen Banken in Deutschland ist allerdings, das deren regionales und soziales Engagement sehr häufig von Kunden und Anlegern nicht als solches wahrgenommen wird. Der Hauptgrund hierfür ist mangelnde Transparenz. In einem ersten Schritt müssen Kunden demnach stärker informiert werden.

Die Kommunikation mit Kunden und potentiellen Kunden über die sozialen Aktivitäten des Anbieters muss also  intensiviert werden. Nur dann werden Kunden motiviert, sich mit den Social Banking-Aktivitäten ihrer Bank zu beschäftigen und können prüfen, ob die angebotenen Produkte ihren eigenen ethisch-ökologischen Vorstellungen entsprechen [7].

Mit diesem vierten Teil endet die Artikelserie zum Thema Social Banking hier im Blog (siehe auch Teil1, Teil 2 und Teil 3). Für alle Interessenten an weiterer Lektüre zum Schluss noch ein Literatur-Tipp: Die Zeitschrift bank und markt, Ausgabe 3- 2011 (März 2011) hat das Thema Nachhaltigkeit im Bankensektor als Schwerpunkt. Hier gibt es eine Inhaltsübersicht des Heftes.

Buch-Tipps zum Thema:

Quellen:

[1] Franz, H., Ethisch-ökologische Kreditinstitute. Vergleichende Analyse im deutschsprachigen Raum, Saarbrücken, 2007

[2] Kotler,P. et al. Die neue Dimension des Marketings. Vom Kunden zum Menschen, Frankfurt am Main, 2010

[³] Mosch, A., Banken auf dem Prüfstand. In: Bankmagazin 01-2011, S. 36 – 38 (Printausgabe)

[4] Oekom Research, Industry Focus Financials / Commercial Banks & Capital Markets, Juni 2009, Bezug möglich über Oekom

[5] Derikartz, K.: Grüne Produkte bringen neue Kunden. In: bank und markt, Heft 3-2011, S. 16 -17 (Printausgabe)

[6] Oekom Research, Industry Focus Financials / Public and Regional Banks, August 2010, Bezug möglich über Oekom

[7] Pane, S.: Mangelnde Transparenz hemmt die Marktentwicklung. In: In: bank und markt, Heft 3-2011, S. 25- 27 (Printausgabe)

Bildquellen:

„Schützen und bewahren“: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

„Frankfurt Skyline“: Thomas Reinacher / pixelio.de

„Sparkassen-Filiale“: eigenes Foto

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