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Ist der Trend zu Social Banking eine nachhaltige Entwicklung?

Vor dem Hintergund der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat in Deutschland eine neue Debatte über Atomkraft begonnen.Viele Kunden wechseln in diesem Zusammenhang zur Zeit ihren Stromanbeiter, um künftig Strom aus regenerativen Energien zu beziehen. Nun fragt sich der geneigte Leser vielleicht was das mit Banken zu tun hat.

Auch bei Bankkunden ist derzeit eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Bankprodukten zu erkennen. Immer mehr Kunden beginnen, sich für das so genannte Social Banking zu interessieren.  In einer repräsentativen Umfrage von DZ Bank und TNS Infratest erklärten beispielsweise 32 Prozent der Befragten, für sie käme eine ökologisch orientierte Anlageform in Frage, insbesondere im Segment Erneuerbare Energien.

Mich hat dieser Hintergrund angeregt, den Markt des Social Banking, also der nachhaltigen Bankgeschäfte, hier im Blog einmal etwas näher zu beleuchten. Dabei wird in diesem ersten Teil die aktuelle Bedeutung des Social Banking betrachtet und in folgenden Teilen den Fragen nachgegangen, welche Kundensegmente sich besonders von nachhaltigen Bankgeschäften angesprochen fühlen und ob Social Banking auch für das Massengeschäft konventioneller Kreditinstitute eine Geschäftsmodell sein kann.

Bedeutung des nachhaltigen Banking

In den vergangenen Jahren verzeichneten Kreditinstitute, die die Beachtung sozialer, bzw. ethisch-ökologischer Aspekte in ihren Geschäftsmodellen verankert haben, ein sprunghaftes Wachstum.

GLS Bank Filiale Berlin
GLS Bank Filiale Berlin

Im Gegensatz zur Gesamtbranche stieg die Kundenzahl beispielsweise bei der Bochumer GLS Bank, der einzigen „alternativen“ Bank, die in mehreren deutschen Städten mit Filialen vertreten ist, im Jahr 2010 um 25 Prozent.Von den derzeit 313 Mitarbeitern der Bank wurden alleine im vergangenen Jahr 77 neu eingestellt [1] .

Ähnliche Erfolge konnte auch die kleinere Ethikbank (Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg in Form einer Direktbank) feiern: Bei ihr erhöhte sich beispielsweise das Einlagenvolumen per Jahresultimo um 23 Prozent [2].

Geschätztes Kundenpotential für Social Banking

Mit einem Kundenstamm von derzeit schätzungsweise 200.000 bis 220.000 Kunden stellen die ethisch-ökologischen Kreditinstitute (dazu zählen im Wesentlichen neben den beiden eingangs genannten Instituten auch die Umweltbank, einige Institute mit kirchlichem Hintergrund, sowie die deutsche Filiale der niederländischen Triodos Bank) derzeit trotz ihres starken Wachstums eine Nische in der deutschen Bankenlandschaft dar.

Das aktuell vorhandene Kundenpotential für diese Form von Bankgeschäften wurde in einer Analyse der Managementberatung zeb/ im vergangenen Spätsommer auf etwa sechs Millionen Kunden geschätzt. Die gleiche Studie prognostiziert ein Wachstum dieses Kundenpotentials auf etwa zehn bis 12 Millionen Verbraucher bis zum Jahr 2020 [3].

Die prognostizierte Steigerung lässt sich vor allem mit sich verändernden (und bereits veränderten) Werten in der Gesellschaft erklären. Natürlich hat auch der massive Vertrauensverlust in Folge der Finanzkrise einen Einfluss auf die Entwicklung. In Zukunft werden aber soziale Lebensqualität, Umweltbewusstsein, Transparenz, Ehrlichkeit und Gemeinsinn deutlich an gesellschaftlicher Relevanz gewinnen, wie die Analyse mehrer Studien durch die zeb/ ergeben hat [3].

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass mit einer Zunahme an Wohlstand und verfügbarem Wissen (und hier ist natürlich u.a. auch deutlich ein Zusammenhang zum Social Web zu erkennen) eine Moralisierung der Märkte stattfindet. Insbesondere das Thema Transparenz wird dadurch zu einem wesentlichen Bewertungskriterium [4].

Eine weitere aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), bei der 200 Experten aus dem Finanzsektor befragt wurden, bestätigt diese Entwicklung weitgehend. Auch hier geht der größte Teil der Befragten davon aus, dass Social Banking einen langristigen Trend darstellt. Das Ergebnis zeigt allerdings auch eine gewisse Kontroverse unter den Experten: 43 Prozent der Befragten, die von einem langfristigen Trend ausgehen, stehen immerhin 34 Prozent entgegen, die Social Banking nur als kurzfristiges Phänomen ansehen. Weitere 23 Prozent sind in dieser Frage bislang unentschieden [5].

Allerdings weist auch die Entwicklung von nachhaltigen Publikumsfonds in Deutschland auf eine steigende Bedeutung hin: Während es im Jahr 2005 noch 124 solcher Fonds mit einem Volumen von insgesamt 8,6 Mrd. EUR gab, waren es im Jahr 2010 bereits 354 Fonds. Das Volumen vervierfachte sich dabei sogar auf 34 Mrd. EUR. [6] Einen Überblick über die Anlagekriterien solcher Fonds bietet die Liste Saubere Fonds der Stiftung Warentest.

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist natürlich, welche Menschen sich eigentlich für Social Banking interessieren. Daher wird im zweiten Teil auf die Kundensegmente eingegangen, die sich besonders von Social Banking angesprochen fühlen.

Literatur-Tipps zum Thema:

Quellen:

[1] Jahresrückblick 2010 und Vorblick 2011 der GLS Bank (Printausgabe)

[2] Ethikbank vorläufige Zahlen für 2010

[3] zeb/

[4] Stehr, N., Die Moralisierung der Märkte, 2007, zitiert nach: Meynhardt, T., Stock,R.A., Customer Value und Public Value. Der Kundennutzen im Bauch der Gesellschaft. In: Marketing Review St. Gallen I-2009, S. 53- 57 (Printausgabe)

[5] Köhler, M., Social Banking ist kein Stohfeuer. In: bank und markt,  Heft 10/2010, S. 42 – 44 (Printausgabe)

[6] bank und markt, Heft 3 – März 2011, S. 5 (Printausgabe)

Bildquellen: Himmel, Gras und Wolken: Gerd Altmann / pixelio.de,  GLS Bank, Filiale in Berlin-Mitte: eigenes Foto

Ein Gedanke zu „Ist der Trend zu Social Banking eine nachhaltige Entwicklung?“

  1. ..Beim Social Banking im Internet konnen Zinsen selbst ausgehandelt werden.Foto dpa…… Im Fachjargon wird das Modell als Social Banking oder Social Lending bezeichnet…Die Firma Smava vermittelt zum Beispiel Kredite von Mensch zu Mensch.

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