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Die Strukturrelevanz regionaler Banken

Unter dem Motto „Change-makers: Wertewandel im Bankensektor“ fand am 14. März 2013 die International Conference for Banking on Values statt, also die Konferenz der weltweit führenden Nachhaltigkeitsbanken. In ihrer „Berliner Erklärung“ fordert die Global Alliance for Banking on Values (GABV) einen fundamentalen Wandel im Bankensystem durch mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Vielfalt in der Bankenwelt.

Die Berliner Erklärung

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T. Jorberg (li) und P. Blom (re)

Die Jahreskonferenz der Global Alliance for Banking on Values fand in diesem Jahr in Berlin statt, und damit zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. Gastgeber der Veranstaltung in den Räumen der DZ Bank am Brandenburger Tor waren das einzige deutsche Mitglied der GABV, die Bochumer GLS Bank, und damit ihr Vorstandssprecher Thomas Jorberg, sowie der CEO der GABV, Peter Blom (Triodos Bank / Niederlande).

Auf der Konferenz, die unter anderem mit einer Rede von Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnet wurde, diskutierten die Mitgliedsbanken der GABV über Maßnahmen für ein stabileres und stärker am Menschen orientierten Finanzsystem.

Als grundlegende Faktoren für fundamentale Veränderungen im Bankensektor haben sie dabei in ihrer Berliner Erklärung drei Kernpunkte identifiziert: Transparenz, Nachhaltigkeit und Vielfalt.

  • Transparenz einzufordern sei vor allem eine Aufgabe der Kunden und damit ein Auftrag an Verbraucherorganisationen, so Jorberg und Blom. Sie müssten immer wieder darauf drängen, zu erfahren, was Banken mit ihrem Geld machen.
  • Nachhaltigkeit ist Jorberg und Blom zufolge eine Aufgabe, die die Banken selbst erfüllen müssen, indem sie soziale und ökologische Kriterien zu einem festen Bestandteil ihrer Finanzangebote machen.
  • In der Vielfalt sehen Jorberg und Blom einen Auftrag an die Politik. Sie ist verantwortlich für die Struktur der Bankenlandschaft und ihre Aufgabe sei es daher, für eine gesunde Diversität im Finanzsektor zu sorgen.

Wertewandel im Bankensektor – die Rolle Deutschlands im internationalen Kontext

Das Thema Vielfalt nahm auch einen breiten Raum in der hochkarätig besetzten abendlichen Podiumsdikussion ein. Moderiert von Martina Dase sprachen Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Sven Giegold, Abgeordneter des Europaparlaments in Brüssel und GLS-Vorstand Thomas Jorberg über das Thema Wertewandel im Bankensektor.

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v.l.n.r.: Thomas Jorberg, Georg Fahrenschon, Martina Dase, Uwe Fröhlich und Sven Giegold

Deutschland braucht keine 1.101 GLS Banken

Naturgemäß wiesen Fahrenschon und Fröhlich auf die besondere Bedeutung der Sparkassen, bzw. der Genossenschaftsbanken für die jeweiligen Regionen hin. Die Sparkassen seinen eben dem Gemeinwohl verpflichtet, so Fahrenschon. Als stärkster Partner der KfW würden sie die Energiewende aktiv mitgestalten und hätten dabei durch ihre Kleinteiligkeit eine bessere Ausgangssituation als der Privatbankensektor, um Betriebe und private Haushalte zu unterstützen.

Für Fröhlich reflektieren die Genossenschaftsbanken die gesellschaftlichen Werte ihrer Mitglieder. Die Mitglieder wiederum seien ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der nun mal unterschiedliche Werte vorhanden sind. Impulse müssten immer aus der Breite der Mitgliederbasis kommen, da Genossenschaftsbanken das täten, was ihre Mitglieder von ihnen erwarten, nicht aber missionarisch tätig sind. Deshalb müsse auch nicht jede der rund 1.100 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland zu einer GLS Bank werden, so Fröhlich.

Strukturrelevanz dezentraler Banken

In Bezug auf Bankenrettungsmaßnahmen forderte Fröhlich zudem, dass die Erpressbarkeit des Steuerzahlers, der immer wieder mit dem „too-big-to-fail“-Argument konfrontiert wird, aufhören müsse. Aufgrund der internationalen Vernetzungen glaubt er auch nicht, dass ein Trennbankensystem die Bankenlandschaft sicherer machen würde.

Giegold wies darauf hin, dass Deutschland vor der Finanz- und Bankenkrise lange Zeit in Brüssel als „overbanked“ belächelt wurde, während es dort heute eher heiße, dass die deutsche Bankenstruktur wohl doch ganz gut funktioniert. Ähnlich sieht es Jorberg: wenn dezentral organisierte Banken etwa 60 % der privaten Kunden betreuen, dann sind sie vielleicht nicht unbedingt systemrelevant, dafür aber, und dass sei mindestens genauso wichtig, in hohem Maße strukturrelevant.

Bildquellen: © Matthias Schubert (eigene Fotos des Blogbetreibers)

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