Die Quadratur des Dreiecks

Quadratur des DreiecksSocial Banking boomt. Doch dieser Boom findet noch immer in der Nische statt, obwohl das Konzept des Social Banking durchaus mit dem gesellschaftlichen Wertewandel in Richtung eines nachhaltigeren Lebensstils korrespondiert. Dies liegt zum einen an der geringen Bekanntheit von Social Banks in der Bevölkerung.1 Es liegt mit einiger Wahrscheinlichkeit aber auch an einem großen Missverständnis, der mit dem Begriff „Social Banking“ selbst verbunden ist.

Auch Social Banks müssen Geld verdienen

Der Begriff „Social Banking“ mag für weite Teile der deutschen Bevölkerung einigermaßen paradox klingen. Es scheint, als wolle er Komponenten miteinander verknüpfen, die sich geradezu widersprechen. Das liegt vor allem daran, dass der Begriff „sozial“ in Deutschland eine andere Bedeutung hat, als in anderen Kulturräumen der Welt.

Der Begriff „Social Banking“ stammt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum und hat sich dort für privatwirtschaftliche Aktivitäten etabliert, die der Armutsbekämpfung, sowie der Bekämpfung von Diskriminierung und des wirtschaftlichen Niedergangs dienen. In diesen Kulturräumen (z.B. USA) hat sich der Sozialstaat entweder nicht in der gleichen Weise entwickelt wie in Deutschland, oder er wurde radikal reformiert (Großbritannien).

GLS Bank Filiale Berlin
Sozio-ökologisch: GLS Bank (Filiale Berlin)

In Deutschland steht das Wort „sozial“ hingegen im allgemeinen Sprachgebrauch für sozialstaatliche Aktivitäten oder das Engagement gemeinnütziger Organisationen zur Unterstützung von Bedürftigen. Die sinngemäße Übersetzung des englischen „Social Banking“ in „soziales Bankgeschäft“ kann daher leicht zu dem Missverständnissen führen, es handle sich dabei um Bankgeschäfte für den Sozialsektor.2

Anders als bei gemeinnützigen oder mildtätigen Organisationen war das Konzept des Social Banking jedoch von Anfang an auch auf Profitabilität ausgerichtet, da auch Social Banks unter marktwirtschaftlichen Bedingungen überleben und wachsen müssen, um ihre Ziele erreichen zu können. Die Maximierung des Profits ist allerdings nicht das Geschäftsziel von Social Banks.

Social Banking: Die Quadratur des Dreiecks

Wohl fast jeder, der im Banken- oder Finanzsektor eine Ausbildung gemacht hat, kennt das Buch „Wirtschaftslehre des Kreditwesens„. Vielleicht geht ja auch Ihnen in diesem Moment ein leichtes Lächeln über die Wangen und Sie denken „Ach ja, der gute alte ‚Grill/Perczynski’…“. Für mich war es jedenfalls schon ein leicht bewegendes Gefühl, diese „Bibel der Bankauszubildenden“ neulich einmal wieder in der Hand zu halten.

Vieles darin hat sich im Laufe der Zeit verändert. Doch einiges auch nicht. So definiert auch die aktuelle 45. Auflage (2011) auf den Seiten 168ff die Anlegerziele noch immer mit dem „Magischen Dreieck der Geld- und Vermögensanlage“ bestehend aus Rentabilität, Liquidität und Sicherheit. Zum Kriterium ‚Art der Verwendung des angelegten Vermögens‘ hingegen findet sich in diesem Kapitel kein Wort.

Doch genau dieses Kriterium ist es, das Social Banks ganz wesentlich und geradezu charkteristisch von konventionellen Banken unterscheidet. Die Mittelverwendung bildet bei ihnen ein viertes Kriterium, das gleichberechtigt neben Rentabilität, Liquidität und Sicherheit zur Beurteilung von Investments herangezogen wird. So wird aus dem „Magischen Dreieck“ beim Social Banking ein „Magisches Viereck“:

Magisches Viereck

Social Banks arbeiten dabei mit der sogenannten „trippe bottom line“, bei der neben der Profitabilität (Profit) eines Investments gleichberechtigt auch seine Auswirkungen auf die Umwelt (Planet) und die Gesellschaft (People) berücksichtigt werden. Der generelle Unterschied zwischen Social Banks und konventionellen Banken liegt daher im Wissen und der Wahrnehmung des sozialen Folgen ihrer Handlungen3, oder wie es Reifner definiert:

„Social Banking is a socially responsible form of banking in which suppliers of financial services have a vested interest in the social outcome and effects of the distribution of their products.“ (Udo Reifner)4

Literaturempfehlungen zum Thema Social Banking:


Tipp: Sie können die Artikel dieses Blogs kostenlos und unverbindlich abonnieren:

[Blog-Artikel-abonnieren]

Quellen:

1 Nachhaltiges Potenzial für Social Banking (Artikel hier im Blog)

2 Reifner, Udo: Social Banking – Ansätze und Erfahrungen über die Integration sozialer Zielsetzungen in privatwirtschaftlichen Finanzdienstleistungen, in: Schuster, Leo (Hrsg.), Die gesellschaftliche Verantwortung der Banken, Berlin, 1997, S. 205 – 238

3 Benediker, Roland: Social Banking and Social Finance: Answers to the Economic Crisis, New York/Heidelberg, 2011

4 Reifner, Udo: Social Banking: products for community development, in: Guene, Christophe/ Mayo, Edward (Hrsg.), Banking and Social Cohesion: Alternative Responses to a Global Market, Charlbury, 2001, S. 198 – 213

Bild- und Grafikquellen: © Matthias Schubert (eigene Bilder und Grafiken), verwendeter Zauberhut: Free Magic Clipart

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*