Der ROPO-Effekt: Kein Ruhekissen für Filialbanken

Deutsche Bank Filiale KurfürtsendammSeit eine gemeinsame Studie von DB Research (Deutsche Bank Research), GfK und Google im September 2010 den sogenannten ROPO-Effekt für den Finanzsektor vorgestellt hat, scheint er in der Bankenbranche geradezu in aller Munde zu sein. So wird er beispielsweise alleine im ersten Kapitel des jüngst im Bank-Verlag erschienen Buches „Web 2.0 und soziale Netzwerke – Risiko oder strategische Chance?“1 in vier von sechs Beiträgen (!) zitiert. Dies spricht für seine -offensichtlich in der Branche wahrgenommene- große Bedeutung. Doch kann die Zukunft des ROPO-Effekts Filialbanken wirklich beruhigen?

Der ROPO-Effekt

Das Kürzel ROPO steht für „Research online – purchase offline“. Es besagt gemäß der o.g. Studie2, dass sich knapp die Hälfte (48,6 %) aller Bankkunden, die sich im Internet über Finanzprodukte informieren, für den endgültigen Abschluss am Ende doch in eine Bankfiliale begeben. Zusammen mit den Kunden, die sich gar nicht online informieren, werden also 86,4 Prozent der Abschlüsse von Bankprodukten heutzutage noch immer in den Filialen von Banken und Sparkassen getätigt. Die folgende Grafik verdeutlicht die Zahlen.

Der ROPO-Effekt bei Bankprodukten

Nur 10,8% der Kunden, die online recherchieren, schließen nach den Ergebnissen dieser Studie also auch online ab. Für Filialbanken scheinen die Ergebnisse daher auf den ersten Blick ein gewisses Ruhekissen darzustellen. Doch diese Ruhe ist trügerisch.

„eID kills the ROPO-Effect“

Die Zukunft des ROPO-Effekts sieht alles andere als rosig aus, da dieser -aller Voraussicht nach- in Zukunft weiter schrumpfen wird. Will heißen: die Online-Abschlüsse werden tendenziell zunehmen. Ein Vorteil für Direktbanken.

elektronischer PersonalausweisHintergrund: Derzeit kann kein Neukunde ein Finanzprodukt abschließend online erwerben. Durch die Legitimationspflicht des Kontoinhabers findet vielmehr noch immer ein Medienbruch statt. Der Neukunde ist dadurch verpflichtet, sich physisch zu legitimieren. Er muss also entweder persönlich eine Bankfiliale aufsuchen oder aber eine Postfiliale besuchen, um das Post-Ident-Verfahren zu nutzen. In jedem Fall kann er aber den Abschluss nicht am heimischen PC zu Ende führen, was zu vielen Abbrüchen von Online-Abschlüssen führt.

In Zukunft jedoch werden sich Online-Identifikationsverfahren, wie der elektronische Personalausweis (eID), durchsetzen. Dann werden auch für Finanzprodukte Online-Abschlüsse ohne Medienbruch möglich sein, was deren Anteil deutlich erhöhen kann. Zudem wird durch das weitere Heranwachsen der Generation Y zusätzlich auch die Affinität der Kunden für Online-Abschlüsse zunehmen.

Dies wird zwar auch in Zukunft vor allem für weniger komplexe Bankprodukte, wie Tagesgeld- und Girokonten gelten. Doch gerade diese stellen häufig nur einen ersten Schritt für den kompletten Wechsel der Bankverbindung dar. Der ROPO-Effekt von heute bildet damit also keineswegs ein sanftes Ruhekissen für Filialbanken.

Quellen:

1.: Grahl, A. (Hrsg.) Web 2.0 und soziale Netzwerke – Risiko oder strategische Chance: Handlungsoptionen für die Zukunftsperspektive von Kreditinstituten

2.: DB Research: Mehrheit der Bankkunden recherchiert online

Bild- und Grafikquellen dieses Beitrags: © Matthias Schubert (eigene Fotos und Grafiken)

Die Artikel dieses Blogs können Sie übrigens kostenlos per E-Mail abonnieren.

4 Gedanken zu „Der ROPO-Effekt: Kein Ruhekissen für Filialbanken“

  1. Hallo,

    was bedeutet denn Purchase Offline? Im Extremfall doch wohl. Der Kunde geht in die Postfiliale oder vielleicht noch in die Bankfiliale und unterschreibt. Der Kauf ist doch nur der Vollzug. Alle wichtigen Entscheidungen sind doch schon getroffen. Insofern ist die Studie toll für google, denn man verkauft Online Marketing. Der Bank sollte man empfehlen nicht zu leichtgläubig zu sein. Es bleibt nicht alles wie es ist. Ganz im Gegenteil, der Zug ist schon so weit weg und bewegt sich so schnell, da kann man es schon mit der Angst bekommen, zumindest wenn man nicht einem konstruierten Weltbild folgt, dass in der Realität nicht Stand hält

    mfg
    Boris Janek

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*