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Flagship-Stores: Zukunft des Retail-Banking?

Immer mehr Unternehmen setzen auf Flagshipstores: Die „bunte Schokowelt“ von RitterSport ist ein schönes Beispiel. Auch Beiersdorf will seine Marke Nivea für Kunden in speziellen Geschäften erlebbar machen. Und selbst reine Online-Marken wie Google oder Zalando inszenieren sich inzwischen auch in der realen Welt. In der Finanzwelt finden sich ebenfalls einige anschauliche Ansätze für Filialgestaltungen mit Erlebnis-Charakter.

Q110, Bank-Café und Bankery

Im Dezember letzten Jahres sorgte die Commerzbank für einiges Aufsehen, als sie in der Berliner Uhlandstraße den Prototyp eines neuen Filialkonzeptes vorstellte: „Ein Girokonto zum Kaffee“ titelte der Tagesspiegel damals seinen Artikel über den neuen Filialtypus.

Deutsche Bank Q110
Deutsche Bank Q110

Schon sehr viel länger existiert in Berlin die „Deutsche Bank der Zukunft“, die Filiale Q110 in der Friedrichstraße, der sich dieses Blog schon in einem früheren Beitrag widmete. Hier wird vor allem auf einen modernen Lounge-Stil, gekoppelt mit wechselnden Ausstellungen gesetzt.

ING Direct Cafe N.Y.
ING Direct Cafe N.Y.

Als Lounge kann auch das Café der ING Direct in New York und anderen Städten der USA bezeichnet werden. Bei einem Becher Kaffee kann sich hier jeder hineinsetzen, Böresenberichte am Bildschirm verfolgen, am Tablet arbeiten oder auch einfach nur relaxen.

Volksbank Gütersloh Bankery
Volksbank Gütersloh Bankery

Noch etwas weiter geht das Konzept „Bankery“ der Volksbank Gütersloh: Hier setzt man ganz auf das Konzept Bank & Genuss. Die „Bankery“ soll Genuss, Kommunikation und Bankingbusiness miteinander vereinen. Ein renommierter lokaler Gastronom sorgt in dieser Kombination aus Restaurant und Bank für das kulinarische Erlebnis, so beispielsweise beim Bankery-Lunch zwischen 12:00 und 14:30 Uhr.

Drei interessante Konzepte, die ganz auf das Wohlfühl-Erlebnis des Kunden in der Bank setzen. Es bleibt allerdings die Frage offen, ob es damit alleine bereits getan ist.

Für Direktbanken ist das Café-Konzept sicher recht interessant, um unaufdringlich physische Präsenz zu zeigen und der Bank gleichzeitig ein „Gesicht“ zu geben. Bei Banken, die ohnehin schon immer auf das Filialkonzept gesetzt haben, ist es da schon eher fraglich, ob eine angenehme Atmosphäre alleine reicht, um wieder mehr Kunden in die Filialen zu locken. Hier ist es sicher zusätzlich auch nötig, die Kunden weitaus stärker prozessual bei ihren (Finanz-)Bedürfnissen abzuholen.

Artikel-Tipps zum weiterlesen (englisch): „14 branch of the future desings“ und „5 Tips for your next branch transformation project“ (beide erschienen bei „The Financial Brand“)

Bildquellen diese Artikels: alle Fotos © Matthias Schubert (eigene Bilder des Blogbetreibers)

3 Gedanken zu „Flagship-Stores: Zukunft des Retail-Banking?“

  1. Auch Cafe / Lounge werden wohl nicht wirklich helfen, Menschen in die Filiale zu bekommen, um sie (wieder) an die Bank zu binden.

    Banking ist einfach für kaum eine(n) etwas, für das man gerne mehr Zeit als nötig aufbringt. Da kann ein Sparbuch nicht gegen Schokolade oder Creme anduften.

    Wichtiger als tolle Stores sind richtig gute und nützliche Online-Filialen oder Mobile-Filialen, wenn möglich mit Live-Beratung. Das würden die Kunden gutheißen und das würde sie binden.

    So geht Bank heute (leider noch immer nicht) …

    1. Jetzt sind wir schon wieder einige Monate weiter, aber am Bankengeschäft hat sich immer noch nicht viel geändert, vor allem ist es nicht digitaler geworden.

      Aber es muss sich jetzt auch nicht alles nur auf Digitalisierung beschränken. Multikanal-Vertrieb sollte die Zukunft beim Bankgeschäft heißen. Es geht nicht mehr darum, einzelne Kanäle zu optimieren, sondern um effizienten und angenehmen Kundenservice über alle Kanäle hinweg.

      D.h., Kunden, die den vor-Ort-Kontakt vorziehen oder langfristige, wichtige Verträge abschließen, können in eine schöne große „Flagschiff“ Filiale gehen. Andere wiederum können schnell und einfach von zu Hause aus oder unterwegs ihren Bankberater kontaktieren und gleich etwas abschließen oder ein neues Konto eröffnen wenn sie möchten.
      Das ist flexibel, das ist die Zukunft unser heutigen Generation 2.0

      1. Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich sehe das sehr ähnlich, würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Banken müssen sich in Zukunft unbedingt vom Produktverkäufer zum Lebensbegleiter weiterentwickeln, ihre Kunden also in der jeweiligen Lebenssituation unterstützen. Und, wie Sie sagen, dabei eine breite Palette an Zugangswegen bieten, die der Kunde, je nach Situation, frei kombiniert nutzen kann: persönlicher Ansprechpartner in der Filiale, am Telefon oder aber auch via App, Online-Banking und weitere virtuelle Kanäle (Social Media etc.). Im Rahmen eines Omnikanal-Banking muss es dem Kunden dabei möglich sein, seinen jeweiligen „Bearbeitungsstatus“ nahtlos von einem auf den anderen Kanal mitnehmen zu können.

        Beste Grüße

        Matthias Schubert

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