It’s not easy

Genossenschaftsbanken sind „Selbsthilfevereine“. Mit ihrem gesetzlich verankerten Förderauftrag sollen sie nach dem Prinzip der Selbsthilfe die ökonomischen Bedingungen ihrer Mitglieder verbessern. Seit Oktober 2003 gehören auch die Teambank und ihr EasyCredit zur genossenschaftlichen Bankengruppe. Bei näherer Betrachtung ist der EasyCredit allerdings alles andere als ein genossenschaftliches Förderprodukt.

Eine Aldi-Bank verlässt die reale Welt – ihr Produkt lebt weiter

Wer in diesen Tagen an einer Filiale der Norisbank vorbeikommt, dem zeigt sich ein trauriges Bild: Nachdem 2003 der Markenname „Norisbank“ und die Filialen an die Deutsche Bank verkauft wurden, nahm das Kreditinstitut in den letzten Jahren die Rolle der Discounter-Bank innerhalb der Deutsche Bank-Gruppe ein. Seit dem 27. Juli 2012 sind jedoch alle Filialen geschlossen und die Norisbank existiert als „immer- und überall dabei“-Bank nur noch als Direktbank.

Besser erging es da ihrem ehemaligen Produkt EasyCredit, das nach dem Kauf durch die DZ Bank in der genossenschaftlichen Bankengruppe verblieben ist. Der Verbraucherkredit bekam sogar unter der Bezeichnung EasyCredit-Shop eigene Filialen. Außerdem wird er (nach eigenen Angaben) inzwischen von 79 % aller Volks- und Raiffeisenbanken angeboten.

Easy Umsetzung der genossenschaftlichen Idee?

Als ich kürzlich an einem solchen EasyCredit-Shop vorbeiging, bemerkte ich ein interessantes Plakat. Auf ihm stand, dass im Easy Credit die genossenschaftliche Idee leben würde. Da die wesentliche Aufgabe von Genossenschaften die Förderung ihrer Mitglieder ist, müsste der EasyCredit demnach also eine Form der Mitgliederförderung darstellen. Doch ist das auch so?

In der einfachsten Form fördern Genossenschaften ihre Mitglieder, indem sie ihnen Leistungen günstiger zur Verfügung stellen, als sie sonst am Markt erhältlich sind. Gerade damit tun sich die Volks- und Raiffeisenbanken jedoch schwer, da sie aufgrund ihrer großen regionalen Filialnetze häufig eine schlechte Kostenstruktur aufweisen und deshalb meist keine besseren Konditionen bieten können als ihre Wettbewerber.

Es kann also durchaus Sinn machen, das Produkt Verbraucherkredit in einem zentralen Institut wie der Teambank zusammenzufassen, um durch Synergieeffekte günstigere Konditionen für die Mitglieder zu erreichen.1

Missinterpretation durch die Teambank 

In einem Online-Chat mit dem Service -Team von EasyCredit teilte man mir allerdings  kürzlich mit, dass Mitglieder von Genossenschaftsbanken keine günstigeren Konditionen erhalten als Nur-Kunden oder jeder andere Verbraucher. Die Mitglieder erhalten auch keine Vorteile beim Scoring oder in sonst irgendeiner Form. Wörtlich hieß es vielmehr:

„Mit der genossenschaftlichen Idee sind keine Vorteile für Mitglieder der Banken gemeint, …“ 2

Zwar handelt es sich hierbei selbstverständlich um die individuelle Aussage einer Servicekraft der Bank und nicht um ein offizielles Statement der Teambank. Dennoch war es ja nicht die Entscheidung der Servicekraft, sondern die der Teambank, beim EasyCredit keine Vorteile für Genosssenschaftsmitglieder zu integrieren. Sie sieht die genossenschaftliche Idee offenbar bereits dadurch verwirklicht, dass der Kredit Ratenaussetzungen ermöglicht und besonders „fair“ sei.

Tatsächlich hat zwar auch Holger Bonus in seinem  bereits 1994 erschienen Buch Das Selbstverständnis moderner Genossenschaften festgestellt, dass auch „… eine besondere Verlässlichkeit in prekären Beziehungen….“ eine Form der genossenschaftlichen Förderung darstellen kann. Dies gilt aber wohlgemerkt nur für die Beziehungen zu den Mitgliedern!

Die von EasyCredit angepriesene „besondere Fairness“ steht allerdings nicht nur Mitgliedern von Genossenschaftsbanken zur Verfügung, sondern allen Kunden, egal ob Mitglied oder nicht. Mitglieder erhalten hier auch beim Aussetzen von Raten keine besseren Konditionen oder sonstige Vorteile. EasyCredit macht also keinerlei Unterschied zwischen Mitgliedern und Nur-Kunden.

Einmal mehr versäumt es die genossenschaftliche Bankengruppe leider also auch beim EasyCredit, das besondere Alleinstellungsmerkmal der Genossenschaftsbanken für sich zu nutzen. Statt hier die Synergieeffekte, die sich aus der zentralen Konzentration der Verbraucherkredite von Volks- und Raiffeisenbanken bei der Nürnberger Teambank ergeben, als besonderen Vorteil an die Mitglieder der Banken weiterzugeben und damit im Wettbewerb zu punkten, bleibt der EasyCredit so ein weitestgehend austauschbares Kreditprodukt unter vielen.

Nachtrag: Bitte beachten Sie auch die offiziellen Anmerkungen von easyCredit zu diesem Beitrag weiter unten auf der Seite.

Fußnoten:

1 Anmerkung: Korrekterweise ist darauf hinzuweisen, dass eine Leistung durch ein Dritt-, also Verbundunternehmen (egal ob Teambank, Schwäbisch Hall,  R+V, etc.) eigentlich nie eine Förderung darstellen kann, da dabei die Leistung eben gerade nicht durch die Genossenschaft selbst erbracht wird.

2 Chat-Protokoll (Screenshot). Der Name und das Foto der Servicekraft der Teambank wurden aus Gründen des Persönlichkeitschutzes unkenntlich gemacht

Literatur-Tipps zum Thema Genossenschaftsbanken:

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Bildquellen dieses Artikels: © Matthias Schubert (Blogbetreiber)

4 Gedanken zu „It’s not easy“

  1. Spannender Beitrag, gerne äußern wir uns von easyCredit direkt dazu: easyCredit ist Mitglied der genossenschaftlichen FinanzGruppe und lebt auch den entsprechenden Wertekanon. So stehen wir für Qualität, Transparenz und verantwortliches Kreditgeschäft. Hierzu gehört insbesondere auch die hochwertige und transparente Beratungsleistung, wobei der optimale Leistungsumfang sich vor allem an den persönlichen Bedürfnissen des Kunden orientiert. Über die easyCredit-Partner der Volksbanken Raiffeisenbanken bieten wir Mitgliedern der genossenschaftlichen FinanzGruppe einen Mitgliedervorteil. Dabei profitieren die Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken als Kreditnehmer von einer reduzierten monatlichen Rate. So unterstützen wir die Mitgliederbindung und –gewinnung unserer genossenschaftlichen Partner.

    Team von easyCredit

    1. Liebes Team von easyCredit,

      vielen Dank für Ihre Antwort auf den Artikel. Es freut mich zu erfahren, dass Sie Mitgliedern von Geno-Banken doch einen Mitgliedervorteil gewähren. Etwas irritiert bin ich allerdings, dass Sie im nächsten Satz den Begriff „Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken“ verwenden, statt Mitglieder. Aus dem Zusammenhang des letzten Satzes entnehme ich aber (hoffentlich korrekterweise), dass Sie wohl wirklich nur die Mitglieder meinten und nicht alle Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken.

      Denn genau darum geht es: die Förderung darf einzig und allein nur den Mitgliedern gewährt werden, ja sie muss sogar zwischen Mitgliedern und Nur-Kunden differenzieren. In gewisser Weise kommt das tatsächlich einer „Diskriminierung“ der Nur-Kunden gleich, aber das ist auch bei jedem einfachen Kundenclub so: wenn ich nicht Mitglied bin, erhalte ich auch nicht die Vorteie der Mitgliedschaft. Genossenschaftsmitglieder sind jedoch nicht nur Clubmitglieder, nein, sie sind sogar die Eigentümer der Bank! Es steht jedem „Nur-Kunden“ frei, ebenfalls Mitglied -also Eigentümer- zu werden und dann auch diese Vorteile zu erlangen.

      Diese Vorteile müssen nicht immer ausschließlich materieller Natur sein, wie ein früherer Beitrag aus der Artikelserie „Genossenschaftsbanken“ hier im Blog dies am Beispiel des Member Value Konzeptes gezeigt hat. Aber natürlich entsprechen gerade materielle Vorteile am deutlichsten der ursprünglichen genossenschaftlichen Idee, sofern dieser materielle Vorteil nicht einzig und allein aus der Ausschüttung einer Dividende besteht.

      Ich denke es ist wichtig, dass dieses Prinzip wieder stärker in den Fokus der VR-Banken gelangt. Nur so können sie das enorme Potenzial ihres nicht immitierbaren und nicht kopierbaren Alleinstellungsmerkmales „Mitgliedschaft“ voll ausschöpfen und sich von den anderen Bankengruppen klar abgrenzen. Auch Sparkassen und Privatbanken haben Kunden, Mitglieder jedoch haben nur die Genossenschaftsbanken allein. Richtig eingesetzt und gefördert ist die Mitgliedschaft ein enormer Hebel zur Mitgliederkundengewinnung und -bindung.

      Beste Grüße

      Matthias Schubert

  2. Lieber Herr Schubert,
    ja genau – wir meinen die Mitglieder der Volksbanken Raiffeisenbanken. Allen Kunden, die die Vorteile einer Mitgliedschaft noch nicht nutzen, möchten wir damit natürlich auch einen weiteren Impuls geben, selbst Mitglied zu werden.
    Beste Grüße vom easyCredit-Team

  3. Seit 1.7.2015 wurden leider alle easycredit-Shops geschlossen.
    Als Kunde wurde ich darüber nicht informiert und auch nicht, wo ich mich jetzt hinwenden kann.
    Ich finde das wirklich sehr schade. Man konnte ohne Termine hingehen und sich beraten lassen oder andere finanzielle Dinge schnell und unkompliziert besprechen. Jetzt muss ich wohl zu einer Bank, wo ich einen Termin brauche.
    Entstehen dadurch Nachteile für mich, oder behalte ich meine Konditionen, wie ich sie mal vertraglich abgeschlossen habe?

    MfG

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