Begrüßungsgeld Berlin 1989

Der Run auf die Banken im Jahr 1989

Morgenpost Extrablatt 9-11-1989Wenn alle Sparer auf einmal ihre Geldanlagen abziehen, kann das jede Bank schnell in die Knie zwingen. Ein „Run“ auf die Bank ist deshalb allgemein gefürchtet.

Vor 22 Jahren kam es in Deutschland zu einem enormen Ansturm auf die Banken. Geschadet hat das damals allerdings keinem einzigen Institut. Es handelte sich vielmehr um einen ganz besonderen „Run“: Als 1989 die Berliner Mauer fiel, hatte jeder Bürger der DDR einen Anspruch auf das sogenannte Begrüßungsgeld. Da die staatlichen Stellen mit der Auszahlung jedoch hoffnungslos überfordert waren, sprangen die Banken und Sparkassen unterstützend ein. Ein Rückblick mit exklusiven und einzigartigen historischen Bilddokumenten.

9. November 1989: Die Berliner Mauer fällt

Als sich die Grenzen der DDR im November 1989 öffneten, stand plötzlich jedem damaligen Bürger der DDR, vom Säugling bis zum Greis, das sogenannte Begrüßungsgeld in Höhe von 100 DM zu. Noch in der Nacht zum 10. November beschloss der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin (West), Walter Momper, dass dieses nicht nur bei den städtischen Behörden, sondern auch bei Banken und Sparkassen erhältlich sei.

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Begrüßungsgeld 1989: Lange Schlangen vor den Banken

Dieses historische Foto wurde übrigens im Jahr 2012 vom Google Cultural Institute in seine Online-Ausstellung zum 20. Jahrhundert aufgenommen. Auch die Berliner Volksbank hat es in ihre Facebook Chronik eingestellt.

Ich habe damals, noch relativ frisch ausgelernt, in der Filiale Gesundbrunnen der Berliner Volksbank (Bezirk Wedding) gearbeitet. Obwohl nicht in der Berliner Innenstadt gelegen, war der Ansturm auf die Banken in diesem Teil der Stadt besonders groß, da er gleich an drei Ost-Berliner Bezirke (Pankow, Prenzlauer Berg und Mitte) gegrenzt hat.

Begrüssungsgeld 2
Die Schlange vor den Banken aus der Vogelperspektive

Die Berliner Volksbank beschloß noch am Freitag, den 10. November, Filialen bis 18 Uhr geöffnet zu halten (es galt ja noch das Ladenschlussgesetz). Regulär hätten die Filialen damals bereits um 13 Uhr geschlossen. Selbst am darauffolgenden Samstag wurde aufgrund der besonderen Situation geöffnet. Die historischen (und bislang unveröffentlichten) Bilder dieses Artikels zeigen eindrucksvoll, welche Menschenmassen von den Banken damals zu bewältigen waren. Doch die Überstunden dafür hat wirklich jeder Banker gerne geleistet.

Begruessungsgeld Berlin
Geduldiges Warten der (damaligen) DDR-Bürger vor den Banken in der Badstraße

Das Prozedere der Auszahlung war natürlich nicht erprobt. Als Auszahlungsbelege mussten Fotokopien herhalten und zur Verhinderung von Doppelauszahlungen wurden einfach Datumstempel in den DDR-Personalausweisen angebracht. Ein Vorteil der damaligen Zeit war, dass es noch richtige Kassenboxen mit Panzerglas gab und die Auszahlungen so von Hand vorgenommen werden konnten. Mit den maschinellen Kassentresoren heutiger Zeit wäre dieser Ansturm sicher nicht zu bewältigen gewesen.

Begruessungsgeld Volksbank Gesundbrunnen
Auszahlung des Begrüßungsgeldes 1989 in der Volksbank-Filiale Gesundbrunnen

Ich hoffe ich konnte Ihnen, liebe Leser, anlässlich des 22.Jahrestages des Mauerfalls einen kleinen Einblick geben, welche Bedeutung dieses historische Ereignis aus Sicht der Bankangestellten damals zusätzlich hatte. Ich denke bei jedem, der dabei war, haben sich die Bilder und Emotionen dieser Tage tief im Kopf verwurzelt, und es war wirklich schön, einen kleinen Beitrag zu diesem großen Moment in der deutschen Geschichte leisten zu dürfen.

Bildquelle: alle Fotos dieses Artikels © Matthias Schubert (eigene Fotos des Blog-Betreibers). Ich bitte die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Da es damals noch keine Digitalfotografie gab, handelt es sich um eingescannte Papierabzüge, die inzwischen ebenfalls schon 22 Jahre alt sind…

6 Gedanken zu „Der Run auf die Banken im Jahr 1989“

  1. Hallo Frau Weigel, hallo Herr Dr. Leichsenring,

    vielen Dank für Ihre Kommentare.

    @Frau Weigel: Die Filiale Gesundbrunnen hat ja in der Geschichte der Berliner Volksbank, als ältester Standort im damaligen West-Berlin („Bankverein Gesundbrunnen“), sogar noch eine besondere Bedeutung.

    Sofern Sie daher für das offizielle Bank-Archiv Interesse an den Bildern haben sollten, kann ich Ihnen diese gerne zur Verfügung stellen. Es existieren sogar noch ein paar mehr.

    Bei Interesse bitte einfach eine kurze Info an mich.

    P.S.: Danke für den heutigen Re-Tweet 🙂

    Viele Grüße

    Matthias Schubert

  2. Hallo Herr Schubert,

    durch die Arbeit an meinem Buch Schattenbanken komme ich leider nicht immer zum Lesen der guten Blogs. So habe ich Ihre tollen Bilder vom Jahr 1989 verpasst. Ebenso verpasst hatte ich die Wende in Berlin, wo ich meine Wohnung untervermietet hatte, um in Madrid zu studieren. Aus der Ferne sieht man aber auch vieles gut – nun ja, wir leben wieder in historischen Zeiten, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen.

    Beste Grüsse
    Lothar Lochmaier

  3. Hallo Herr Lochmaier,

    mir geht es im Moment zeitmäßig leider so ähnlich wie Ihnen, was man auch an der relativ geringen Anzahl von neuen Blogartikeln hier erkennen kann. Selbst Ihr ausgesprochen interessantes Buch-Projekt Schattenbanken habe ich bislang leider nur am Rande mitverfolgen können, was ich sehr bedauere. Immerhin liegt vor mir aber gerade eine Ausgabe des Buches Die Sprache des Geldes, was Sie sicher auch freuen wird.

    Beste Grüße zurück

    Matthias Schubert

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